Was ist ATEX?
ATEX bezieht sich auf zwei europäische Richtlinien zur Kontrolle explosionsfähiger Atmosphären: Richtlinie 2014/34/EU betrifft Geräte und Schutzsysteme zur bestimmungsgemäßen Verwendung in explosionsfähigen Atmosphären, während Richtlinie 1999/92/EC Anforderungen an die Arbeitssicherheit abdeckt. Der Name leitet sich vom französischen Atmosphères Explosibles ab.
Jedes elektrische oder mechanische Betriebsmittel, das in klassifizierten explosionsgefährdeten Bereichen innerhalb der EU eingesetzt wird, muss von einer Benannten Stelle ATEX-zertifiziert sein. Die Richtlinie definiert Grundlegende Gesundheits- und Sicherheitsanforderungen (GSSA), die Produkte erfüllen müssen.
Was ist der Unterschied zwischen ATEX und IECEx?
ATEX ist eine regulatorische Anforderung der Europäischen Union — verpflichtend für Produkte, die in der EU verkauft werden. IECEx ist ein internationales freiwilliges Zertifizierungssystem, verwaltet von der Internationalen Elektrotechnischen Kommission (IEC), anerkannt in über 35 Ländern.
IECEx-Zertifikate können nationale Zulassungen in teilnehmenden Ländern beschleunigen, ersetzen aber nicht ATEX innerhalb der EU. Viele Hersteller erwerben beides. Die technischen Normen (IEC 60079-Reihe) sind für beide Systeme weitgehend identisch.
Was sind Zone 0, Zone 1 und Zone 2?
Diese klassifizieren, wie häufig eine explosionsfähige Gasatmosphäre erwartet wird:
- Zone 0 — Explosionsfähige Atmosphäre ständig oder über lange Zeiträume vorhanden (in Tanks, Behältern)
- Zone 1 — Wahrscheinlich im Normalbetrieb (in der Nähe von Entlüftungen, Befüllstellen, Dichtungen)
- Zone 2 — Im Normalbetrieb unwahrscheinlich, kann kurzzeitig auftreten (allgemeine Anlagenbereiche)
Für Staub sind die entsprechenden Zonen 20, 21 und 22. Betriebsmittel für Zone 0 erfordern das höchste Schutzniveau (EPL Ga).
Was bedeuten die Buchstaben in Ex-Kennzeichnungen?
Eine Ex-Kennzeichnung wie Ex db IIC T6 Gb gliedert sich wie folgt:
- Ex — Explosionsgeschützt
- db — Druckfeste Kapselung, Schutzniveau „b"
- IIC — Gasgruppe (Wasserstoff/Acetylen — am strengsten)
- T6 — Temperaturklasse (max. 85 °C Oberflächentemperatur)
- Gb — Geräteschutzniveau (geeignet für Zone 1)
→ Fünf reale Kennzeichnungen Schritt für Schritt entschlüsselt
Was ist der Unterschied zwischen Ex d und Ex e?
Ex d (druckfeste Kapselung) schließt eine interne Explosion in einem robusten Gehäuse ein. Der präzisionsbearbeitete Spalt (Zünddurchschlagspalt) kühlt austretende Gase unter die Zündtemperatur ab. Verwendet für Schaltgeräte, Motoren und Beleuchtung in Zone 1.
Ex e (Erhöhte Sicherheit) verhindert das Auftreten einer Zündung, indem Funken, heiße Oberflächen und Lichtbögen durch erhöhte Konstruktionsmargen bei Luft- und Kriechstrecken sowie Temperaturanstieg eliminiert werden. Verwendet für Anschlusskästen, Klemmen und Leuchten.
Was ist Eigensicherheit (Ex i)?
Eigensicherheit begrenzt die elektrische Energie in einem Stromkreis so, dass sie keinen Funken und keine thermische Wirkung erzeugen kann, die eine Zündung verursachen könnten — auch nicht unter Fehlerbedingungen. Es ist das einzige Schutzkonzept, das inhärent sicher ist, anstatt eine Explosion einzuschließen.
- Ex ia — Sicher bei zwei gleichzeitigen Fehlern (Zone 0 / EPL Ga)
- Ex ib — Sicher bei einem Fehler (Zone 1 / EPL Gb)
- Ex ic — Sicher im Normalbetrieb (Zone 2 / EPL Gc)
Weit verbreitet für Instrumentierung, Sensoren und Kommunikationsgeräte.
Welche Gasgruppen gibt es und was bedeuten sie?
Gruppe I — Bergbau (Methan). Gruppe II — Übertägige Industrie: IIA (Propan — am wenigsten streng), IIB (Ethylen), IIC (Wasserstoff/Acetylen — am strengsten). Gruppe III — Staub: IIIA (Flusen), IIIB (nicht leitfähiger Staub), IIIC (leitfähiger Staub).
Für eine höhere Gruppe zertifizierte Betriebsmittel (z. B. IIC) können immer in niedrigeren Gruppen (IIA, IIB) eingesetzt werden. Diese „Hierarchieregel" vereinfacht die Geräteauswahl.
Was sind die Temperaturklassen T1 bis T6?
| Klasse | Max. Oberflächentemperatur | Beispielgase |
|---|---|---|
| T1 | 450 °C | Methan, Wasserstoff |
| T2 | 300 °C | Ethanol, Butan |
| T3 | 200 °C | Benzin, Diesel |
| T4 | 135 °C | Acetaldehyd, Diethylether |
| T5 | 100 °C | — |
| T6 | 85 °C | Schwefelkohlenstoff |
Die Oberflächentemperatur des Betriebsmittels muss unter der Selbstentzündungstemperatur jedes vorhandenen Gases bleiben.
Wie lange dauert die ATEX-Zertifizierung?
- 3–6 Monate — Einfache Produkte mit etablierten Schutzarten
- 6–12 Monate — Komplexe Produkte oder neuartige Konstruktionen
- 12–18+ Monate — Konstruktionsänderungen nach Prüfung erforderlich
Der Prozess umfasst: Antrag, Konstruktionsprüfung, Prototypenprüfung, Prüfbericht (ExTR), Qualitätssystem-Audit und Zertifikatserteilung.
Was ist ein EPL (Geräteschutzniveau)?
EPL definiert das Zuverlässigkeitsniveau des Schutzes:
- Ga / Da / Ma — Sehr hohes Schutzniveau (Zone 0 / 20 / Bergbau eingeschaltet)
- Gb / Db / Mb — Hohes Schutzniveau (Zone 1 / 21 / Bergbau abgeschaltet)
- Gc / Dc — Erhöhtes Schutzniveau (Zone 2 / 22)
EPL bildet die Brücke zwischen Zoneneinteilung und Geräteauswahl — es gibt an, in welchen Zonen das Betriebsmittel installiert werden kann.
Kann ich Zone-1-Betriebsmittel in Zone 2 verwenden?
Ja. Für eine gefährlichere Zone zertifizierte Betriebsmittel können immer in einer weniger gefährlichen Zone eingesetzt werden. Zone 0 → Zone 0, 1, 2. Zone 1 → Zone 1, 2. Umgekehrt ist es nie zulässig.
Was ist eine Benannte Stelle?
Eine Benannte Stelle ist eine Organisation, die von einem EU-Mitgliedstaat benannt wurde, um Produkte anhand der Anforderungen der ATEX-Richtlinie zu bewerten. Sie führen EU-Baumusterprüfungen (Modul B) durch, stellen Zertifikate aus und auditieren die Qualitätssysteme der Hersteller.
Beispiele: DEKRA, PTB, BASEEFA (SGS), INERIS, LCIE, Eurofins, CSA Group. Für IECEx ist das Äquivalent eine Prüfstelle (ExCB).