Grundlagen des Explosionsschutzes
Das Explosionsdreieck
Drei Voraussetzungen müssen gleichzeitig erfüllt sein, damit es zu einer Explosion kommt:
- Brennstoff — brennbares Gas, Dampf, Nebel oder brennbarer Staub
- Oxidationsmittel — Sauerstoff in der Luft (≥21 % O₂)
- Zündquelle — ausreichend Energie, um das Gemisch zu entzünden
Entfernt man auch nur eine dieser drei Voraussetzungen, passiert nichts. Jede Schutzstrategie funktioniert, indem mindestens eine Seite dieses Dreiecks beseitigt wird.
Was ist eine explosionsfähige Atmosphäre?
Ein Gemisch aus Luft und brennbarem Material (Gas, Dampf, Nebel oder Staub), das gezündet werden kann. Die Konzentration muss zwischen zwei Grenzen liegen:
- UEG (Untere Explosionsgrenze) — Mindestkonzentration für die Zündung
- OEG (Obere Explosionsgrenze) — Höchstkonzentration (zu fett zum Brennen)
Zwischen UEG und OEG befindet sich das Gemisch im explosionsfähigen Bereich.
Beispiele für UEG/OEG
| Stoff | UEG (Vol.-%) | OEG (Vol.-%) |
|---|---|---|
| Methan | 4,4 | 17,0 |
| Propan | 1,7 | 10,9 |
| Wasserstoff | 4,0 | 77,0 |
| Acetylen | 2,3 | 100,0 |
| Ethanoldampf | 3,1 | 27,7 |
Wasserstoff sticht hier hervor. Der Bereich von 4–77 % ist enorm im Vergleich zu allen anderen Stoffen, weshalb er eine eigene Gasgruppe (IIC) erhält.
Arten gefährlicher Stoffe
Gase und Dämpfe
Brennbare Gase (Methan, Wasserstoff, Propan) und Dämpfe brennbarer Flüssigkeiten (Benzin, Lösemittel, Alkohole). Eingeteilt in Gasgruppen (IIA, IIB, IIC) nach ihren Zündeigenschaften.
Nebel
Feine Tröpfchen brennbarer Flüssigkeiten. Das Tückische: Ein Nebel kann eine explosionsfähige Atmosphäre bilden, selbst wenn die Flüssigkeit unter ihrem Flammpunkt liegt. Dies wird bei Gefährdungsbeurteilungen häufiger übersehen als es sollte.
Stäube
Brennbare Stäube aus organischen Materialien (Getreide, Zucker, Holz, Kohle), Metallen (Aluminium, Magnesium) und synthetischen Materialien (Kunststoffe, Pharmazeutika). Eingeteilt in Staubgruppen (IIIA, IIIB, IIIC).
Die Partikel müssen fein genug sein, um in der Luft zu schweben (unter ~500 μm). Was oft vergessen wird: Eine Staubschicht auf einer heißen Oberfläche kann sich bei niedrigerer Temperatur entzünden als derselbe Staub als Wolke.
Zündquellen
IEC/EN 60079-0 und EN 1127-1 identifizieren 13 potenzielle Zündquellen:
- Heiße Oberflächen
- Flammen und heiße Gase
- Mechanisch erzeugte Funken
- Elektrische Betriebsmittel (Funken, Lichtbögen)
- Vagabundierende elektrische Ströme, kathodischer Korrosionsschutz
- Statische Elektrizität
- Blitzschlag
- Elektromagnetische Felder (HF, 9 kHz – 300 GHz)
- Elektromagnetische Strahlung (optischer Bereich, 300 GHz – 3×10⁶ GHz)
- Ionisierende Strahlung
- Ultraschall
- Adiabatische Kompression, Stoßwellen
- Exotherme Reaktionen (einschließlich Selbstentzündung von Stäuben)
Ziel ist es, zu verhindern, dass eine dieser Quellen „wirksam" wird — also genügend Energie besitzt, um das vorhandene Gemisch zu entzünden.
Die drei Schutzprinzipien
Die Rangfolge ist wichtig:
1. Primärer Schutz — Bildung verhindern
Die explosionsfähige Atmosphäre soll gar nicht erst entstehen:
- Substitution (nicht brennbare Materialien verwenden)
- Belüftung (unter die UEG verdünnen)
- Inertisierung (Sauerstoff durch Stickstoff oder CO₂ ersetzen)
- Konzentrationsüberwachung mit automatischer Abschaltung
2. Sekundärer Schutz — Zündung verhindern
Annahme: Die explosionsfähige Atmosphäre wird sich bilden; Zündquellen vermeiden:
- Zertifizierte Ex-Geräte verwenden (siehe Schutzarten)
- Korrekte Zoneneinteilung, um Geräte dem Risiko anzupassen
- Erdung und Potenzialausgleich zur Vermeidung statischer Entladung
- Heißarbeitserlaubnis und Verfahren
3. Tertiärer Schutz — Auswirkungen begrenzen
Annahme: Eine Zündung tritt auf; die Explosion eindämmen und abschwächen:
- Explosionsfeste Bauweise
- Explosionsdruckentlastung
- Explosionsunterdrückungssysteme
- Explosionsentkopplung (Flammensperren, schnell wirkende Ventile)
Wichtige Begriffe
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Ex | Abkürzung für Explosionsschutz |
| ATEX | Aus dem Französischen „ATmosphères EXplosibles" — EU-Richtlinienrahmen |
| IECEx | Internationales System der IEC für Ex-Zertifizierung |
| Explosionsgefährdeter Bereich | Ort, an dem eine explosionsfähige Atmosphäre auftreten kann |
| Zone | Einteilung des gefährdeten Bereichs nach Wahrscheinlichkeit |
| EPL | Geräteschutzniveau — Ga, Gb, Gc, Da, Db, Dc |
| Schutzart | Technisches Verfahren zur Zündvermeidung (Ex d, Ex e, Ex i usw.) |
| Gasgruppe | Einteilung der Gase nach Zündeigenschaften (IIA, IIB, IIC) |
| Temperaturklasse | Maximale Oberflächentemperatur des Geräts (T1–T6) |
| Benannte Stelle | Von der EU benannte Organisation zur Zertifizierung von ATEX-Geräten |
| ExCB | IECEx-Zertifizierungsstelle |
| ExTL | IECEx-Prüflabor |
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