Explosionsschutzarten
Alle Ex-Schutzarten an einem Ort. Jede Methode verfolgt einen anderen Ansatz zum Explosionsdreieck, und jede hat Vor- und Nachteile hinsichtlich Kosten, Gewicht, Wartung und abgedeckter Zonen.
Fünf Grundprinzipien
Alle Schutzarten basieren auf einem oder mehreren dieser Prinzipien:
| Prinzip | Funktionsweise | Methoden |
|---|---|---|
| Energiebegrenzung | Elektrische Energie unter die Zündschwelle reduzieren | Ex i |
| Ausschluss | Explosionsfähige Atmosphäre von Zündquellen fernhalten | Ex m, Ex o, Ex p, Ex t, Ex nR |
| Vermeidung | Sicherstellen, dass keine wirksame Zündquelle vorhanden ist | Ex e, Ex nA |
| Verdünnung | Explosionsfähige Atmosphäre unter die UEG verdünnen | Ex p |
| Einschluss | Die Explosion im Betriebsmittel einschließen | Ex d, Ex q |
Schutzarten — Gas/Dampf
Ex d — Druckfeste Kapselung (IEC 60079-1)
Prinzip: Einschluss. Das Gehäuse ist stark genug, um einer internen Explosion standzuhalten. Präzisionsbearbeitete Spalte („Zünddurchschlagspalte") kühlen austretende heiße Gase unter die Zündtemperatur der umgebenden Atmosphäre.
Funktionsweise:
- Betriebsmittel in einem robusten Gehäuse (Gusseisen, Aluminium, Edelstahl) eingeschlossen
- Interne Explosion kann auftreten, wird aber eingeschlossen
- Zünddurchschlagspalte (Flanschverbindungen, Gewindeeinführungen) kühlen austretende Gase unter die Zündtemperatur
- Austretende Gase können über 1.000 °C erreichen, aber die Kontaktzeit ist zu kurz, um ausreichend Energie zu übertragen
Unterniveaus:
- Ex db — für EPL Gb (Zone 1)
- Ex dc — für EPL Gc (Zone 2)
Wichtige Konstruktionsparameter:
- Wandstärke: volumenabhängig (min. 3–6 mm für Gusseisen)
- Zünddurchschlagspalt: 0,1–0,5 mm je nach Gasgruppe
- Zünddurchschlagspaltlänge: 9,5 mm (IIA) bis 25 mm (IIC)
- Innendruckfestigkeit: bis zu 10 bar
- Freiabstände um das Gehäuse: 10 mm (IIA), 30 mm (IIB), 40 mm (IIC)
Kritische Anforderungen:
- Kabelverschraubungen müssen Ex-d-zertifiziert sein (niemals Ex-e-Verschraubungen an Ex-d-Gehäusen verwenden)
- Zünddurchschlagspaltflächen müssen sauber und leicht gefettet sein, niemals lackiert
- Inhalte dürfen nicht ohne Neuzertifizierung geändert werden
- Nur vollständig zertifizierte Gehäuse dürfen verwendet werden (nicht nur „U"-Komponentenzertifikate)
Typische Anwendungen: Motoren, Schaltgeräte, Anschlusskästen, Beleuchtung, Energieverteilung, Transformatoren
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Ex e — Erhöhte Sicherheit (IEC 60079-7)
Prinzip: Vermeidung. Das Betriebsmittel kann im Normalbetrieb oder bei vorhersehbarer Fehlfunktion keine Funken, Lichtbögen oder heißen Oberflächen erzeugen. Erhöhte Konstruktionsmargen stellen sicher, dass keine Zündquelle entsteht.
Funktionsweise:
- Keine funkenerzeugende Komponenten erlaubt
- Erhöhte Luft- und Kriechstrecken
- Mindestens IP54 Gehäuseschutz
- Erhöhte Isolationsmargen
- Thermisch geschützte Klemmen und Verbindungen
Unterniveaus:
- Ex eb — für EPL Gb (Zone 1)
- Ex ec — für EPL Gc (Zone 2)
Wichtige Konstruktionsparameter:
- Kriech- und Luftstrecken überschreiten Standardnormen
- Klemmenverbindungen für bestimmte Fehlerstrom-/Zeitkombinationen ausgelegt
- IP54 oder besserer Schutzgrad
- Thermische Überwachung für Motoren und Transformatoren
Kritische Anforderungen:
- Alle elektrischen Verbindungen müssen ordnungsgemäß angezogen sein (lose Verbindungen = Funken)
- Dichtungen müssen die IP-Schutzart aufrechterhalten
- Kabelverschraubungen sollten Ex-e-zertifiziert sein (Ex-d-Verschraubungen auch akzeptabel)
- Nicht geeignet für Betriebsmittel mit normalem Schaltfunkenkontakt
Typische Anwendungen: Klemmen-/Anschlusskästen, Motoren (nicht funkender Typ), Schaltschränke, Leuchten, Kabelverschraubungen, Sammelschienen
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Ex i — Eigensicherheit (IEC 60079-11)
Prinzip: Energiebegrenzung. Die elektrische Energie im Stromkreis wird auf ein Niveau begrenzt, das die explosionsfähige Atmosphäre nicht zünden kann — weder durch Funkenbildung noch durch Oberflächenerwärmung.
Funktionsweise:
- Strom und Spannung werden durch Sicherheitsbarrieren oder galvanische Trenner begrenzt
- Gesamte Stromkreisenergie (einschließlich gespeicherter Energie in Kapazität und Induktivität) bleibt unter der Mindestzündenergie (MZE) des Gases
- Selbst unter Fehlerbedingungen ist nicht genügend Energie für eine Zündung vorhanden
Unterniveaus:
- Ex ia — für EPL Ga (Zone 0) — sicher bei 2 gleichzeitigen Fehlern + 1,5× Sicherheitsfaktor
- Ex ib — für EPL Gb (Zone 1) — sicher bei 1 Fehler + 1,5× Sicherheitsfaktor
- Ex ic — für EPL Gc (Zone 2) — sicher im Normalbetrieb
Wichtige Konstruktionsparameter:
- Maximale Spannung, Strom, Leistung pro Gasgruppe definiert
- Kapazitäts- und Induktivitätsgrenzen für Kabel und Betriebsmittel
- Sicherheitsbarrieren: Zenerdioden-Barrieren (erdungsbezogen) oder galvanische Trenner
- Kabelparameter (Kapazität pro Meter, Induktivität pro Meter) müssen in die Bewertung einbezogen werden
Mindestzündenergien:
- IIA (Methan): ~280 μJ
- IIB (Ethylen): ~60 μJ
- IIC (Wasserstoff): ~17 μJ
Kritische Anforderungen:
- Eigensichere Stromkreise müssen von nicht-eigensicheren Stromkreisen getrennt sein
- Blaue Kabel/Verdrahtung zur Kennzeichnung
- Systemdokumentation (Entity-Parameter) muss verifiziert werden
- Kabelverlegung getrennt von Leistungskabeln
- Erdungsverbindung für Zenerdioden-Barrieren muss zuverlässig sein (<1 Ω)
Typische Anwendungen: Sensoren, Messumformer, Thermoelemente, Grenzstandschalter, tragbare Gasdetektoren, Kommunikationsgeräte, HART-Instrumente
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Ex p — Überdruckkapselung (IEC 60079-2)
Prinzip: Ausschluss + Verdünnung. Das Gehäuse wird mit Reinluft oder Inertgas unter Überdruck gesetzt, um das Eindringen explosionsfähiger Atmosphäre zu verhindern. Alternativ wird die interne Atmosphäre unter die UEG verdünnt.
Unterniveaus:
- Ex px — für EPL Gb — reduziert Zone 1 im Gehäuse auf nicht-explosionsgefährdet
- Ex py — für EPL Gb — reduziert Zone 1 im Gehäuse auf Zone 2
- Ex pz — für EPL Gc — reduziert Zone 2 im Gehäuse auf nicht-explosionsgefährdet
Funktionsweise:
- Vorspülung: Gehäusevolumen wird mit Reinluft/-gas durchspült (typisch 5× Volumen)
- Aufrechterhaltung des Überdrucks während des Betriebs (typisch >50 Pa über Umgebungsdruck)
- Druck-/Durchflussüberwachung mit Alarm und automatischer Abschaltung bei Druckverlust
Typische Anwendungen: Große Motoren, Schaltwarten, Analysenhäuser, Frequenzumrichter, Motorschaltanlagen, große Verteilerschränke
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Ex n — Typ „n" / Nicht funkend (IEC 60079-15)
Prinzip: Vermeidung (hauptsächlich). Das Betriebsmittel erzeugt im Normalbetrieb keine Lichtbögen oder Funken, die eine Zündung verursachen können. Weniger streng als Ex e — nur für Zone 2 ausgelegt.
Untertypen:
- Ex nA — nicht funkendes Betriebsmittel
- Ex nC — funkendes Betriebsmittel mit Kontakten in geschlossener oder hermetisch geschlossener Kapselung
- Ex nR — schwadensicheres Gehäuse (begrenzt Gaseintritt)
- Ex nL — energiebegrenztes Betriebsmittel (ähnlich Ex ic)
EPL: Nur Gc (Zone 2)
Typische Anwendungen: Allzweckinstrumente, Magnetventile, Relaiskästen, Meldeleuchten in Zone-2-Bereichen
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Ex m — Vergusskapselung (IEC 60079-18)
Prinzip: Ausschluss. Bauteile werden vollständig in eine Vergussmasse (Harz, Epoxid) eingebettet, die den Kontakt mit der explosionsfähigen Atmosphäre verhindert.
Unterniveaus:
- Ex ma — für EPL Ga (Zone 0)
- Ex mb — für EPL Gb (Zone 1)
- Ex mc — für EPL Gc (Zone 2)
Typische Anwendungen: Magnetspulen, LED-Module, Elektronik-Leiterplatten, Sensoren, kleine Aktoren
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Ex o — Ölkapselung (IEC 60079-6)
Prinzip: Ausschluss. Elektrische Kontakte und lichtbogenerzeugende Komponenten werden in Schutzöl eingetaucht.
EPL: Gb (Zone 1)
Typische Anwendungen: Transformatoren, Schaltgeräte (hauptsächlich Bestandsanlagen)
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Ex q — Sandkapselung (IEC 60079-5)
Prinzip: Einschluss. Das Betriebsmittel wird von feinem Quarzsand umgeben, der die Flammenausbreitung unterdrückt und Wärme absorbiert.
EPL: Gb (Zone 1)
Typische Anwendungen: Kondensatoren, Sicherungen, kleine Elektronikmodule
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Ex Op — Optische Strahlung (IEC 60079-28)
Untertypen:
- Ex Op is — inhärent sichere optische Strahlung
- Ex Op pr — geschützte optische Strahlung (Verriegelungsabschaltung)
- Ex Op sh — optische Strahlung mit abgeschirmtem Gehäuse
Typische Anwendungen: Glasfasersysteme, optische Sensoren, laserbasierte Instrumente
Schutzarten — Staub
Ex t — Schutz durch Gehäuse (IEC 60079-31)
Prinzip: Ausschluss. Ein staubdichtes Gehäuse verhindert, dass Staub Zündquellen erreicht, und begrenzt die Oberflächentemperatur.
Unterniveaus:
- Ex ta — für EPL Da (Zone 20) — IP6X erforderlich
- Ex tb — für EPL Db (Zone 21) — IP6X erforderlich
- Ex tc — für EPL Dc (Zone 22) — mindestens IP5X
Die maximale Oberflächentemperatur muss sowohl die Zündtemperatur der Staubwolke als auch der Staubschicht berücksichtigen — siehe Temperaturklassen.
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Zonen-Schutzart-Matrix
| Schutzart | Zone 0 | Zone 1 | Zone 2 | Zone 20 | Zone 21 | Zone 22 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Ex ia | ✅ | ✅ | ✅ | ✅ | ✅ | ✅ |
| Ex ib | ✅ | ✅ | ✅ | ✅ | ||
| Ex ic | ✅ | ✅ | ||||
| Ex ma | ✅ | ✅ | ✅ | ✅ | ✅ | ✅ |
| Ex mb | ✅ | ✅ | ✅ | ✅ | ||
| Ex mc | ✅ | ✅ | ||||
| Ex db | ✅ | ✅ | ||||
| Ex dc | ✅ | |||||
| Ex eb | ✅ | ✅ | ||||
| Ex ec | ✅ | |||||
| Ex px | ✅ | ✅ | ||||
| Ex py | ✅ | ✅ | ||||
| Ex pz | ✅ | |||||
| Ex nA/nC/nR | ✅ | |||||
| Ex o | ✅ | ✅ | ||||
| Ex q | ✅ | ✅ | ||||
| Ex ta | ✅ | ✅ | ✅ | |||
| Ex tb | ✅ | ✅ | ||||
| Ex tc | ✅ |
Kombinierter Schutz
Betriebsmittel verwenden häufig mehrere Schutzarten. Gängige Kombinationen:
- Ex db eb — druckfestes Gehäuse mit Erhöhte-Sicherheit-Klemmenfach
- Ex de — ältere Notation für dasselbe
- Ex db [ib] — druckfestes Gehäuse mit eigensicheren Stromkreisen
- Ex eb [ia] — Erhöhte-Sicherheit-Gehäuse mit IS-Stromkreisen
- Ex tb [ib] — staubgeschütztes Gehäuse mit IS-Stromkreisen
Die Klammernotation [ib] zeigt an, dass die Schutzart für zugehörige Betriebsmittel verwendet wird (nicht für das Hauptgehäuse).
Die richtige Schutzart wählen
Zu berücksichtigen:
- Zone — bestimmt das erforderliche Mindest-EPL
- Gas-/Staubgruppe — einige Methoden haben Gasgruppenbeschränkungen
- Leistungsniveau — Ex i funktioniert nur für Niedrigstromkreise; Ex d bewältigt hohe Leistung
- Wartungszugang — Ex e und Ex n sind leichter zu warten als Ex d
- Kosten — Ex n (Zone 2) ist am günstigsten; Ex ia (Zone 0) und Ex d (Zone 1) sind am teuersten
- Größe/Gewicht — Ex-d-Gehäuse sind schwer; Ex-i-Geräte sind leicht
- Umgebung — Korrosion, Vibration, extreme Temperaturen beeinflussen die Methodenwahl
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