Temperaturklassen T1 bis T6

Temperaturklassen T1 bis T6

Jedes elektrische Betriebsmittel in einem explosionsgefährdeten Bereich hat eine maximale Oberflächentemperatur. Diese darf die Selbstentzündungstemperatur des vorhandenen Gases oder Dampfes nicht überschreiten. Temperaturklassen geben diese Grenze an.

Temperaturklassen

TemperaturklasseMaximale OberflächentemperaturTypische Gase
T1450 °CWasserstoff (560 °C), Methan (595 °C), Ammoniak (630 °C)
T2300 °CEthanol (425 °C), Butan (365 °C), Ethylen (425 °C)
T3200 °CBenzin (280 °C), Diesel (220 °C), Schwefelwasserstoff (270 °C)
T4135 °CAcetaldehyd (175 °C), Diethylether (160 °C)
T5100 °CSchwefelkohlenstoff (95 °C) — selten verwendet
T685 °CSchwefelkohlenstoff (95 °C) — strengste Klasse

So liest man die Tabelle

  • Die Temperaturklasse ist die maximale Oberflächentemperatur, die das Betriebsmittel unter den ungünstigsten Bedingungen erreichen darf
  • Die Selbstentzündungstemperatur (in Klammern) ist die Temperatur, bei der sich das Gas ohne externe Zündquelle entzündet
  • Die Temperaturklasse muss niedriger als die Selbstentzündungstemperatur des Gases sein

Hierarchie

T6 > T5 > T4 > T3 > T2 > T1 (T6 ist die strengste)

  • Betriebsmittel mit T6-Zertifizierung können in jeder Temperaturklasse eingesetzt werden
  • Betriebsmittel mit T1-Zertifizierung können nur dort eingesetzt werden, wo die Selbstentzündungstemperatur über 450 °C liegt

Selbstentzündungstemperatur (AIT)

Die Selbstentzündungstemperatur ist die niedrigste Temperatur einer heißen Oberfläche, bei der sich ein Gas-Luft-Gemisch ohne Flamme oder Funken entzünden kann.

Wichtige Fakten

  • Gemessen nach IEC 60079-20-1 (Gase) oder IEC/EN 80079-20-2 (Stäube)
  • Hängt vom Druck, der Konzentration und dem Prüfgefäß ab — die veröffentlichten Werte sind konservativ
  • Gemische aus Gasen können eine AIT haben, die niedriger ist als die jedes einzelnen Gases
  • Höherer Druck senkt die AIT — relevant für Autoklaven und druckbeaufschlagte Systeme

Praktische Auswahl

Um die richtige Temperaturklasse für ein Betriebsmittel zu wählen:

  1. Alle brennbaren Gase/Dämpfe identifizieren, die im Bereich vorhanden sein können
  2. Die Selbstentzündungstemperatur jedes Gases nachschlagen (IEC 60079-20-1)
  3. Die niedrigste AIT aller vorhandenen Gase verwenden
  4. Betriebsmittel auswählen, dessen maximale Oberflächentemperatur unter dieser AIT liegt

Beispiel: Wenn der Bereich sowohl Methan (AIT 595 °C) als auch Benzindämpfe (AIT 280 °C) enthält, muss das Betriebsmittel mindestens T3 (200 °C) sein, um den Benzindampf abzudecken.

Gängige Gase und ihre Temperaturklassen

Gas/DampfAIT (°C)Erforderliche TemperaturklasseGasgruppe
Wasserstoff560T1IIC
Methan595T1IIA
Ammoniak630T1IIA
Ethylen425T2IIB
Ethanol425T2IIA
Propan470T1IIA
Aceton465T1IIA
Benzin280T3IIA
Diesel220T3IIA
Schwefelwasserstoff270T3IIB
Acetylen305T2IIC
Schwefelkohlenstoff95T6IIC
Diethylether160T4IIB

Temperaturbetrachtungen bei Staub

Für Staub gelten die Standard-Temperaturklassen (T1–T6) nicht direkt. Stattdessen muss die maximale Oberflächentemperatur des Betriebsmittels zwei Bedingungen erfüllen:

  1. Staubwolken-Zündtemperatur (T_CL): Die Oberflächentemperatur darf ⅔ × T_CL (in Kelvin) nicht überschreiten
  2. Staubschicht-Zündtemperatur (T_5mm): Die Oberflächentemperatur darf T_5mm − 75 °C nicht überschreiten

Der niedrigere der beiden Werte bestimmt die maximale zulässige Oberflächentemperatur.

Für dickere Staubschichten (>5 mm) sind zusätzliche Reduktionen erforderlich. Siehe IEC 60079-14 für Details.

Häufige Fehler

  • Nur das Hauptgas berücksichtigen und Spurenstoffe ignorieren (die eine niedrigere AIT haben können)
  • Vergessen, dass die AIT bei höherem Druck sinkt
  • T1 als „niedrig genug" annehmen, ohne die tatsächliche AIT zu prüfen
  • Die Temperaturklasse mit der Gasgruppe verwechseln — es sind unabhängige Parameter
  • Staubschichten nicht berücksichtigen (die die effektive maximale Oberflächentemperatur senken)
  • Gasgruppen — Klassifizierung nach Zündeigenschaften
  • Grundlagen — Explosionsdreieck, Zündquellen
  • Ex-Kennzeichnungen — wie die Temperaturklasse auf dem Typenschild erscheint
  • Schutzarten — wie verschiedene Methoden die Oberflächentemperatur handhaben
  • Zoneneinteilung — Bereiche, in denen bestimmte Gase vorhanden sein können